Denk- und Entwicklungsfeld 3

Psychoakustik, Raumresonanz & Phänomenologische Akustik

Dieses Denk- und Entwicklungsfeld bündelt zentrale Erkenntnisse der Architekturtheorie, Akustikforschung, Klangwissenschaft und Raumphänomenologie. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Bedeutung Klang, Stille und Resonanz innerhalb historischer Architektur besitzen und weshalb akustische Qualitäten über Jahrhunderte hinweg ein wesentlicher Bestandteil bedeutender Bauwerke waren.

Historische Großarchitekturen wurden nicht ausschließlich als visuelle Räume konzipiert. Materialität, Raumvolumen, Gewölbeformen, Oberflächen und Proportionen erzeugen jeweils eigene akustische Eigenschaften, die untrennbar mit der Architektur verbunden sind. Klang gehört daher nicht lediglich zur Nutzung eines Raumes, sondern bildet einen Teil seiner architektonischen Wirklichkeit.

Das Feld macht sichtbar, dass die akustische Dimension historischer Architektur einen eigenständigen Bestandteil ihres kulturellen und räumlichen Charakters darstellt und wesentlich zum Verständnis monumentaler Räume beiträgt.

Über dieses Denk- und Entwicklungsfeld

Nahaufnahme eines klassischen griechischen Marmorkopfs mit Locken, trägt pinke Sonnenbrille und Kopfhörer, bebidauslagende weißes Strauß, leuchtende Farben, moderne Ästhetik.

Bedeutung für historische Architektur

Die akustischen Eigenschaften historischer Bauwerke sind ebenso Teil ihres kulturellen Erbes wie ihre bauliche Substanz, ihre Gestaltung oder ihre historische Bedeutung.

Viele bedeutende Sakral-, Kultur- und Monumentalbauten wurden über Jahrhunderte hinweg in enger Verbindung mit Sprache, Gesang, Ritual, Musik und Stille genutzt. Dadurch entstanden charakteristische Klangräume, die bis heute untrennbar mit der jeweiligen Architektur verbunden sind.

Wer historische Architektur ausschließlich als visuelles Objekt betrachtet, übersieht einen wesentlichen Teil ihrer räumlichen Eigenart.

Dieses Feld trägt dazu bei, die akustische Dimension historischer Architektur als Bestandteil ihres kulturellen Wertes sichtbar zu machen und ihre Bedeutung für das Verständnis historischer Räume differenzierter einzuordnen.

Wissenschaftliche Bezugspunkte

Die Synthese dieses Feldes stützt sich unter anderem auf folgende wissenschaftliche Positionen:

  • Barry Blesser & Linda-Ruth Salter – Aural Architecture

  • Juhani Pallasmaa – Multisensorische Architekturtheorie

  • Iégor Reznikoff – Archäoakustik und sakrale Resonanzräume

  • Brandon LaBelle – Acoustic Territories

  • Murray Schafer – Klanglandschaften und akustische Kultur

  • Hartmut Rosa – Resonanz als kulturelle Beziehungskategorie

Innenansicht einer barocken Kirche mit hohen Fenstern, Kerzen und einer Altar im Hintergrund, bei Sonnenuntergang, mit dem Text »Memorian Experiences" und einem goldenen Labyrinth-Logo.

Beitrag zur MEMORIAN-Synthese

Dieses Feld ergänzt die architekturbezogene Perspektive des Instituts um die akustische Dimension historischer Räume.

Es macht sichtbar, dass Klang, Stille und Resonanz nicht als nachträgliche Ergänzungen historischer Architektur verstanden werden können, sondern zu ihren ursprünglichen räumlichen Eigenschaften gehören.

Aus dieser Perspektive entsteht die Grundlage für MEMORIAN Experiences: als kulturelle Formate, die die akustischen Qualitäten historischer Architektur sichtbar machen und Klang, Stille und Resonanz als Bestandteile des gebauten Kulturerbes erschließen.

Nr° 4 Architektur-Anthropologie & Sakralbau