Denk- und Entwicklungsfeld 6
Immersive Kulturformate & Raumdramaturgie
Über dieses Denk- und Entwicklungsfeld
Dieses Denk- und Entwicklungsfeld bündelt zentrale Erkenntnisse aus Theaterwissenschaft, Performance Studies, Raumwissenschaft, Szenografie und Ausstellungsforschung. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie kulturelle Erfahrungen durch die zeitliche, räumliche und körperliche Gestaltung von Situationen ermöglicht werden.
Der Fokus liegt auf der Beziehung zwischen Mensch, Raum und kultureller Erfahrung. Immersive Kulturformate werden dabei nicht primär als technische oder digitale Inszenierungen verstanden, sondern als Formen räumlicher Vermittlung, die Wahrnehmung, Bewegung und Aufmerksamkeit innerhalb eines kulturellen Kontextes strukturieren.
Raumdramaturgie erscheint in diesem Zusammenhang als Gestaltung kultureller Erfahrungsprozesse. Sie beeinflusst, wie Besucher historische Orte wahrnehmen, durchschreiten und mit ihnen in Beziehung treten.
Bedeutung für historische Architektur
Historische Großarchitekturen besitzen bereits durch ihre räumliche Struktur, ihre Proportionen und ihre historischen Schichten eine eigene Dramaturgie. Zugänge, Übergänge, Blickachsen, Lichtverhältnisse und Raumfolgen prägen die Art und Weise, wie Besucher einen Ort erleben.
Zeitgenössische Kulturformate stehen vor der Herausforderung, diese vorhandenen Qualitäten sichtbar und erfahrbar zu machen, ohne die historische Substanz oder die Eigenwirkung des Ortes zu überlagern.
Dieses Denk- und Entwicklungsfeld schafft die Grundlage, historische Architektur nicht ausschließlich als Kulisse kultureller Veranstaltungen zu verstehen, sondern als aktiven Bestandteil kultureller Vermittlungs- und Erfahrungsprozesse.
Wissenschaftliche Bezugspunkte
Die Synthese dieses Feldes stützt sich unter anderem auf folgende wissenschaftliche Positionen:
Erika Fischer-Lichte – Performance Studies und Ästhetik des Performativen
Bernhard Leitner – Raumwahrnehmung, Klangraum und Raumdramaturgie
Claire Bishop – Partizipation, Installation und zeitgenössische Ausstellungsformate
Richard Schechner – Performance Theory und kulturelle Praxis
Juhani Pallasmaa – Architektur, Körperlichkeit und sinnliche Wahrnehmung
Joseph Pine & James Gilmore – Experience Economy und Erfahrungsräume
Beitrag zur MEMORIAN-Synthese
Dieses Feld bildet die Grundlage für das Verständnis kultureller Formate als räumlich und zeitlich gestaltete Erfahrungsprozesse.
Es liefert den Bezugsrahmen, um historische Architektur nicht nur als Gegenstand kultureller Vermittlung zu betrachten, sondern als aktiven Mitgestalter kultureller Erfahrung. Dabei stehen die räumlichen Eigenschaften des Ortes selbst im Mittelpunkt.
Aus dieser Perspektive entsteht die Grundlage für MEMORIAN Experiences: als kulturelle Formate, die die vorhandene Raumdramaturgie historischer Architektur nutzt und die Begegnung zwischen Mensch, Raum und kulturellem Erbe zu vertiefen.

