Denk- und Entwicklungsfeld 1
Architektur, Atmosphäre & Raumphänomenologie
Über dieses Denk- und Entwicklungsfeld
Dieses Denk- und Entwicklungsfeld bündelt zentrale Erkenntnisse der Architekturtheorie, Raumphänomenologie und Atmosphärenforschung. Im Mittelpunkt steht die Frage, wodurch historische Architektur ihre unverwechselbare Präsenz entfaltet und weshalb bestimmte Räume Menschen über Jahrhunderte hinweg berühren, prägen und kulturell bedeutsam bleiben.
Der Fokus liegt nicht auf einzelnen Bauwerken, sondern auf den räumlichen Qualitäten selbst: Proportion, Materialität, Licht, Akustik, Volumen und atmosphärische Dichte. Das Feld macht sichtbar, dass Architektur nicht ausschließlich als Objekt betrachtet werden kann, sondern als erfahrbare Wirklichkeit, die den Menschen in seiner räumlichen Existenz begegnet.
Bedeutung für historische Architektur
Historische Großarchitekturen besitzen einen kulturellen Wert, der über ihre bauliche Substanz hinausgeht. Ihre Bedeutung liegt ebenso in den räumlichen Qualitäten, die sie hervorbringen und über Generationen hinweg bewahren.
Die Wahrnehmung dieser Qualitäten gerät jedoch zunehmend in den Hintergrund, wenn Architektur ausschließlich als Sehenswürdigkeit, Veranstaltungsort oder wirtschaftliche Ressource betrachtet wird.
Dieses Feld schafft die Grundlage dafür, historische Räume wieder als eigenständige kulturelle Wirklichkeiten zu verstehen und ihre atmosphärische Integrität als Teil ihres kulturellen Erbes sichtbar zu machen.
Wissenschaftliche Bezugspunkte
Die Synthese dieses Feldes stützt sich unter anderem auf folgende wissenschaftliche Positionen:
Gernot Böhme – Ästhetik der Atmosphäre
Hermann Schmitz – Neue Phänomenologie
Juhani Pallasmaa – Multisensorische Architekturtheorie
Christian Norberg-Schulz – Genius Loci und Ortsidentität
Martin Heidegger – Wohnen, Ort und Raum
Peter Zumthor – Atmosphären und architektonische Präsenz
Beitrag zur MEMORIAN-Synthese
Dieses Feld bildet die theoretische Grundlage für das Verständnis historischer Architektur als atmosphärischer und kultureller Resonanzraum.
Es liefert den Bezugsrahmen, um die Eigenqualität historischer Bauwerke sichtbar zu machen und ihre räumliche Integrität als Ausgangspunkt zukünftiger Nutzungskonzepte zu verstehen.
Aus dieser Perspektive entsteht die Grundlage für MEMORIAN Experiences: nicht durch zusätzliche Inszenierungen, sondern durch die Freilegung der bereits vorhandenen räumlichen Qualitäten eines Ortes.

